Weiler/Backnang: Erfolgreiche antifaschistische Kundgebung + Antifademo mit über 200 TeilnehmerInnen

Nachdem am Abend des 26. März 60-70 AntifaschistInnen an der monatlichen antifaschistischen Mahnwache des Vereins "Weiler schaut hin!" vor der Nazi-Immobilie "Linde" in Weiler bei Schorndorf teilnahmen, demonstrierten am nächsten Tag über 200 AntifaschistInnen gegen Neonazis und Rassismus in Backnang. Die Demo war der Höhepunkt einer vom lokalen Antifaschistischen Aktionsbündnis Rems-Murr (AARM) organisierten Aktionswoche im Rems-Murr-Kreis. Offenbar aufgrund einer Nazi-Provokation und der entsprechenden Reaktion darauf wurden einige AntifaschistInnen unter haltlosen Vorwürfen festgenommen und mussten mehrere Stunden in Polizeigewahrsam verbringen.

Kundgebung vor der "Linde"

Da die Mahnwache des Anti-Nazi Vereins "Weiler schaut hin!" im letzten Monat von Faschisten aus der "Linde" angegriffen wurde, waren nun 60-70 AntifaschistInnen aus der gesamten Region anwesend, um praktische Solidarität zu üben und auf die überregionale Bedeutung der vielseitig genutzten Naziräumlichkeiten des NPD-Funktionärs Jürgen Wehner aufmerksam zu machen. In der "Linde" tummelten sich währenddessen über 20 auch überregional angereiste Faschisten und versuchten den lautstarken antifaschistischen Parolen hin und wieder mit unverständlichem Gegröhle Paroli zu bieten.

Nach einstündiger Präsenz, zogen die AntifaschistInnen mit einer Spontandemo zurück zur S-Bahn Station Weiler, jedoch nicht ohne deutlich zu machen, dass noch lange nicht die letzte Aktion gegen den Anlaufpunkt für Faschisten im Rems-Murr Kreis gewesen sein sollte

Demo in Backnang

Die Demo wurde von einem breiten Bündnis aus Gewerkschaften, linken Gruppen und Parteien getragen und bildete den Abschluss einer lokalen antifaschistischen Kampagne. Mehrere Veranstaltungen hatten in den vorhergehenden Wochen die lokalen rechten Strukturen und Möglichkeiten antifaschistischer Intervention thematisiert.

Nachdem ab 14.00 Uhr die Auftaktkundgebung am Backnanger Bahnhof mit Reden über die Geschichte Backnangs im deutschen Faschismus und die Notwendigkeit des vielschichtigen Widerstandes gegen aktuelle Naziumtriebe begonnen hatte, zog die Demo mit über 200 TeilnehmerInnen lautstark durch die Backnanger Innenstadt.

Naziprovokation

Während der Zwischenkundgebung wollten einige Jungnazis in unmittelbarer Nähe zur Kundgebung Flugblätter zu verteilen. Auf den Inhalt dieser Flugblätter angesprochen, griff einer der Faschisten unverzüglich die fragenden Antifas mit Pfefferspray an. Zwar wurde die Nazigruppe sofort vertrieben, die Polizeiführung nutzte die Gelegenheit aber um die Situation völlig zu eskalieren: Noch über zehn Minuten später wurden wahllos AntifaschistInnen und jugendliche PassantInnen von hochagressiven BFE-Bullen festgenommen. Trotz enorm jungen Alters ernteten Jugendliche dabei Prügel und wurden mit Waffen bedroht.

Obwohl sich nach Beendigung der Demo ein großer Teil der AntifaschistInnen mit den Festgenommenen solidarisierte und geschlossen zum Polizeipräsidium zog, um die Freilassung der GenossInnen zu fordern, kamen die letzten erst nach mehr als 3 Stunden wieder frei.

Die ganze Zeit über zeigten sich die Bullen den Festgenommenen einerseits und den sie draußen solidarisch Unterstützenden andererseits gegenüber äußerst aggresiv: Insbesondere die BFE-Einheit war offenbar nicht in der Lage anders als schreiend oder mit Gewaltandrohungen zu kommunizieren. Aber auch ein Vertreter des lokalen Reviers, Volker Randi, äußerte wiederholt dass er dem "linken Gesocks" am liebsten seinen "Einsatzstock-Kurz" (gemeint ist ein Teleskopschlagstock)  zu spüren geben würde. Geradezu empört war er darüber, dass "Deutschland mit solchen Leuten nicht in den Krieg ziehen" könne. Recht hat er.

Ein Grund für die willkürliche Festnahmen, die anschließend extra langsame Behandlung und die aggressive Stimmung der Beamten dürfte wohl zumindest bei einigen auch deren eigene politische Gesinnung gewesen sein. Ganz ungewohnt offen wird im Backnanger Polizeipräsidium - neben allerlei schwachsinnigen Sprüchen - in einem der Vernehmungszimmer ein Aufkleber der Jugendorganisation der NPD der "Jungen Nationaldemokraten" (JN) präsentiert. Deutlicher geht's kaum.

In diesem Sinne hat sich mal wieder die alte Losung bewahrheitet nach der der Staat im antifaschistischen Kampf kein Partner sein kann - sondern nur Gegner!

 

Verteilter Naziflyer: